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Magazin / Gesellschaft / Illegalität / Artikel | 09.07.2008

Wer hilft?


Wer keine gültige Aufenthaltserlaubnis hat, ist meist auf Hilfe angewiesen. eurotopics-Korrespondenten stellen Organisationen aus Frankreich, Italien, Malta und Spanien vor, die den betroffenen Menschen im Alltag helfen.


Frankreich: Réseau Education Sans Frontières

Im Juni 2004 gründeten Lehrer, Erzieher, Eltern, Kollektive und Gewerkschaften das Réseau Education Sans Frontières (Netzwerk Bildung ohne Grenzen): Sie sorgten sich um eingeschulte Jugendliche, die von einem Tag auf den anderen von der Schule verschwanden.

Foto: HessenJense (Photocase)


Es stellte sich heraus, dass sie und ihre Eltern keine gültigen Aufenthaltspapiere hatten und abgeschoben worden waren. In Frankreich müssen Minderjährige allerdings keine Aufenthaltserlaubnis nachweisen. Nur wenn ihre Eltern abgeschoben werden sollen, kann den Kindern dasselbe passieren. Das Netzwerk begründet seine Arbeit mit Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, dem Recht auf "ein normales Familienleben". Im November 2007 zählte das Netzwerk 221 Mitgliedsorganisationen. Es wird durch lokale Departement-Gruppen vertreten. Sie helfen Familien und Jugendlichen, Regularisierungsanträge an die Präfekturen zu stellen. Es werden auch gezielte Aktionen organisiert, etwa die Übernahme einer Patenschaft für Kinder oder die Verhinderung des Abflugs von Abschiebeflugzeugen, um Familien in Notsituation zu unterstützen. (Elif Kayi)

Italien: Opera Nomadi

Etwa 9 bis 12 Millionen Roma leben in Europa, damit sind sie eine der größten europäischen Minderheiten. In Italien leben etwa 160.000. Davon besitzen 70.000 die italienische Staatsbürgerschaft, während etwa 90.000 vom Balkan stammen und zum Großteil keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Die italienischen Roma leben in ungefähr 700 Nomadencamps, die sich auf das ganze Land verteilen, mit hohen Konzentrationen um Mailand und Rom. Um die illegal in legalen Camps lebenden Roma und das Anwachsen illegaler Camps kümmert sich seit 1965 die Organisation Opera Nomadi. Die Organisation spricht sich gegen den Vorschlag von Innenminister Roberto Maroni aus, auch Minderjährigen Fingerabdrücke zwecks Erfassung und Zählung der Roma abzunehmen. Um die Einwanderer zu integrieren, ermöglicht Opera Nomadi schulpflichtigen Kindern den Zugang zu Bildung, indem sie in die staatlichen Schulen begleitet werden, verschafft Arbeitsplätze und Aufenthaltsgenehmigungen, führt Gesundheitskontrollen und Impfungskampagnen durch und verbessert die Wohnbedingungen durch den Ausbau sanitärer Anlagen. (Eva Clausen)

Malta: Jesuit Refugee Service

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten Flüchtlingsdienst) ist eine in über 50 Ländern operierende katholische Organisation. Der JRS Malta wurde 1993 gegründet, um den Asylsuchenden zu helfen, die damals aus den Krisengebieten des Mittelmeeres und Osteuropa, hauptsächlich aus Irak und Bosnien, auf die Insel kamen. Der JRS macht sich zur Mission, die Rechte von Flüchtlingen und gewaltsam Vertriebenen zu verteidigen. Sein Mandat ist "dorthin zu gehen, wo die Not am größten ist und niemand sonst hilft". Die meisten Flüchtlinge erreichen Malta per Boot und werden in der Regel schon auf See von den maltesischen Behörden entdeckt und sodann in den vier Flüchtlingslagern der Insel interniert. Der JSR bietet juristische, soziale und gesundheitliche Hilfestellung, macht auf die Not der Menschen in der Öffentlichkeit aufmerksam und bietet darüberhinaus den Flüchtlingen geistliche Seelsorge an. Der JRS engagiert sich auch bei der Weiterbildung von Rechtsanwälten und Jura-Studenten auf dem Gebiet des Flüchtlingsrechts. (Jochen Wittmann)

Spanien: Acoge

Die Organisation Acoge – das spanische Verb "acoger" bedeutet "aufnehmen" – ist ein landesweites Netzwerk, das 1991 von mehreren Initiativen gegründet wurde, um die Arbeit mit Einwanderern besser koordinieren zu können. Acoge wird bei ihrer gemeinnützigen und politisch unabhängigen Arbeit von staatlichen Stellen und dem Europäischen Sozialfonds finanziell unterstützt. Nach eigenen Angaben arbeiten in Spanien rund 1.300 ehrenamtliche Mitarbeiter mindestens einmal die Woche in einem der 57 Acoge-Zentren. Über 100.000 Einwanderer hätten im vergangenen Jahr eine der Dienstleistungen von Acoge in Anspruch genommen. Acoge setzt sich politisch für die Einwanderer ein und fördert deren Selbstorganisation. Gleichzeitig hilft sie denjenigen, die gerade in Spanien angekommen sind, eine würdige und bezahlbare Unterkunft zu finden, und klärt sie über ihre Rechte auf. Außerdem unterstützt die Organisation bei der Arbeitssuche, vermittelt Sprachkurse und Weiterbildungsangebote. Laut Nationalem Statistikinstitut, dessen Zahlen auch einen Großteil der Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung enthalten, da auch die "illegalen" Einwanderer bei den spanischen Gemeinden gemeldet sind, liegt der Anteil der ausländischen Einwohner in Spanien bei rund 11,3 Prozent. Ein Großteil der Einwanderer kommt aus Lateinamerika, vor allem aus Ecuador und Kolumbien, und Nordafrika, überwiegend aus Marokko. Seit einigen Jahren steigt der Anteil der einwandernden Osteuropäer, hauptsächlich aus Rumänien und Bulgarien. (Tom Gebhardt)

 

Original in Deutsch

Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

Der Text ist lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

 

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