Top-Thema vom Montag, 21. Juli 2008
Weltjugendtag in Sydney

Gestern ging der 23. Weltjugendtag der römisch-katholischen Kirche in Sydney zu Ende. Rund 400.000 Jugendliche aus aller Welt nahmen an dem Abschlussgottesdienst mit Papst Benedikt XVI. teil. Die europäische Presse diskutiert die Wirkung des religiösen Festivals.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
Die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert die Wandlung des Weltjugendtags (WJT) während der letzten zehn Jahre. "Rom, Toronto, Köln und nunmehr Sydney stehen nicht für eine Steigerung, sondern für einen Rhythmus von Ekstase und Alltag, der es mittlerweile erlaubt, von einer in die Millionen gehenden, weltumspannenden 'Generation WJT' zu sprechen. Sie eint ein Lebensgefühl, das sich von dem der Achtundsechziger und ihrer Kinder elementar unterscheidet. Nicht der Kalte Krieg und der Kampf konkurrierender Weltanschauungen ist ihr beengender und beängstigender Horizont ..., sondern eine in jeder Hinsicht entgrenzte Welt, in der die Globalisierung und die mit ihr einhergehende Beschleunigung alle Grenzen überwinden. ... In dieser Welt ohne Halt erweist sich die katholische Kirche mit ihrem Anspruch, Institution und nicht nur Organisation zu sein, immer mehr als retardierendes und zunehmend widerständiges Moment. Gerade deshalb steht sie im Einklang mit den Hoffnungen der Menschheit in Nord und Süd auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung." (21.07.2008)
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Tagesanzeiger - Schweiz
Der Tagesanzeiger kritisiert, dass der Papst bei seinem Besuch in Australien Anthony und Christina Foster, die Eltern zweier Opfer sexueller Gewalt durch Priester, nicht persönlich empfangen habe: "Der Papst sprach in Sydney das Thema des sexuellen Missbrauchs zwar an, hielt sich aber an Plattitüden. Er anerkannte, dass die Täter 'dem Zeugnis der Kirche geschadet' hätten. Die Opfer müssten Fürsorge erfahren und die Verantwortlichen für diese Übel vor Gericht gestellt werden. Das aber geschieht in Australien in den seltensten Fällen. Statt die Polizei einzuschalten, werden Vorwürfe oft kirchenintern untersucht. Und meist kommt es zu einer stillen Einigung zwischen Opfern und Kirche. ... Die Freude, die der Weltjugendtag nach Sydney gebracht hat, wird von der Erkenntnis getrübt, dass Worte wie 'Mitgefühl' und 'Nächstenliebe' aus dem Mund des Papstes hohl tönen, solange Menschen wie Anthony und Christina Foster nicht gehört werden." (21.07.2008)
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Dnevnik - Slowenien
Der Journalist Andrej Mrevlje beschreibt in seiner Kolumne auf der Webseite der Tageszeitung Dnevnik den katholischen Weltjugendtag als Offensive gegen die Säkularisierung der Welt: "Australien ist eines der säkularisiertesten Länder der Welt, die Wirtschaft ist stabil und Australien gilt als Land der tausend Kulturen. Und genau das stört die römisch-katholische Kirche am meisten. ... Das Kriterium nach dem der Ort für die Weltjugendtage der jungen Katholiken ausgesucht wird, ist nicht mehr die Heiligkeit des Ortes, der als spirituelle Inspiration dient, sondern im Gegenteil, die Kirche des Papstes Benedikt sucht als Schauplatz der Weltjugendtage die Orte aus, die die Anwesenheit der Katholiken am nötigsten haben. Anders ausgedrückt: das Ziel der Versammlungen der jungen Katholiken aus aller Welt ist nicht mehr der Rückzug vom Säkularismus, sondern die Konfrontation mit ihm auf seinem Territorium. ... Es ist schwer einzuschätzen, ob die Kirche in Australien erfolgreich war. ... Tatsache ist, dass die Kirche in allen Poren der modernen Gesellschaft zu finden ist und mit modernen Mitteln ihre spezifische und konservative Sprache einsetzt, in der es keinen Platz für Fehlbarkeiten gibt. Es gibt auch keine Fehlbarkeiten, wenn es um die dunkelsten Seiten der katholischen Kirche geht. Diese dunklen Seiten entziehen ihr die moralische Autorität." (21.07.2008)
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