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Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Dienstag, 18. November 2008


Hilfe für die Autoindustrie?

Die Finanz- und Wirtschaftskrise trifft besonders die angeschlagene Autobranche hart. Wie in den USA bitten auch Unternehmen in Europa um staatliche Hilfen. Die europäische Presse diskutiert das Für und Wider von Finanzhilfen für die Autobauer.


El Mundo - Spanien

Die spanische Tageszeitung El Mundo kommentiert: "Die europäischen Hersteller verlangen - genau wie die amerikanischen - staatliche Hilfen in Höhe von 40 Milliarden Euro, die teilweise verloren gehen werden, um dem starken Einnahmerückgang zu begegnen, unter dem sie leiden. Einige widersetzen sich dieser Form der Finanzierung mit dem Argument, dass diese einen Rückschritt zum Protektionismus und eine Verletzung der Regeln des freien Marktes bedeuten würden. Das sind respektable Argumente. Aber keine Regierung - und schon gar nicht die spanische - kann sich den Luxus erlauben, nicht zu handeln und so das Risiko einzugehen, eine Schlüsselbranche in der Wirtschaft zu verlieren." (18.11.2008)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die Süddeutsche Zeitung ist gegen staatliche Hilfen für die Automobilindustrie. "Hunderte große Unternehmen sind zugrunde gegangen, mit oft schlimmen Folgen für die Belegschaft, und doch sind bislang immer wieder andere an ihre Stelle gerückt. Warum sollen nun einige Firmen - und warum gerade diese, und warum jetzt? - eine Bestandsgarantie erhalten? Wieso staatliche Garantien für ein verlängertes Leben? Und wie verlockend ist eine Rettung, deren Effekt doch nur sein kann, sich auf Jahre hinaus weiterzuquälen, weil man glaubt, die Automobilindustrie sei eine Art neuer Kohlebergbau? Die Pläne zur Rettung der Automobilindustrie, die gegenwärtig verhandelt werden, laufen auf eine sozialstaatliche Zähmung der Krise hinaus. Sie zielen auf Kompensation, also darauf, dass das jetzt ausgegebene Geld irgendwie wieder zurückfließen wird. Wie aber, wenn dieser Fall nicht eintritt, nicht eintreten kann? ... Ganze Teile der Wirtschaft werden sich nun neu erfinden müssen. Die Politiker sollten sie nicht daran hindern." (18.11.2008)


Carl Bildt Blog - Schweden

Schwedens Außenminister Carl Bildt äußert sich in seinem Blog vor dem Antritt seiner USA-Reise pessimistisch über die Pläne, die US-Automobilindustrie durch staatliche Unterstützung zu retten. Der neu gewählte Präsident Barack Obama stehe unter Zugzwang, meint Bildt: "Eine Entscheidung wird richtungsweisend für seine Politik sein. Nicht zuletzt die Gewerkschaften, die ihn unterstützt haben, fordern nachdrücklich eine Unterstützung in Milliardenhöhe für die Autoindustrie. Aber eine großzügige Unterstützung würde auch zeigen, dass er von solchen Forderungen beeinflussbar ist und dass sie die Wirtschaftspolitik der Zukunft beeinflussen. … Es werden einfach auch strukturelle Veränderungen gebraucht. Darüber branden die Wogen der Debatte nun mit aller Sicherheit auch in Washington und in Chicago, wo die neue Politik formuliert wird. Früher hieß es, was gut für General Motors ist, ist auch gut für die USA. Aber jetzt leben wir in einer anderen Welt. Und es kann sehr gut sein, dass was für General Motors gut ist, nicht zugleich gut für die USA ist. Und ganz sicher nicht für den Rest der Welt." (17.11.2008)


La Repubblica - Italien

Die Tageszeitung La Repubblica erklärt die Autoindustrie gar für tot: "Das Zeitalter des Automobils als privatem Verkehrsmittel und als Gegenstand der Produktion neigt sich dem Ende zu. Sowohl in der Herstellung als auch im Konsum verbraucht es von allem zu viel: Energie, Rohstoffe, Wasser, Raum, Zeit. Es hat aber in unserer Gesellschaft eine so bedeutende Stellung eingenommen, dass der Übergang zu alternativen Fortbewegungsmitteln - und warum nicht zur einer geringeren Mobilität - ein langer und schwieriger Weg sein wird." (18.11.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 18. November 2008

 

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