Top-Thema vom Donnerstag, 20. November 2008
Moderne Piraten

Piraten haben vor Somalia eine Reihe von Schiffen, darunter einen Rohöltanker, gekapert. Die EU hat bereits eine Mission am Horn von Afrika beschlossen. Die europäische Presse diskutiert das Problem der modernen Piraterie und fragt, wie man am besten vorgehen sollte.
De Standaard - Belgien
Gegen die Piraten vor der somalischen Küste kann die internationale Gemeinschaft nur schwer etwas ausrichten, schreibt die Tageszeitung De Standaard: "Der EU-Einsatz hat nicht mehr als eine abschreckende Wirkung. Die Küste des anarchistischen Somalia ist mehr als 3.000 Kilometer lang. Gleichzeitig wird das Gebiet, in dem die Piraten operieren, immer größer. ... Zu den Piratenbanden gehören Fischer, weil sie die See gut kennen, und Männer, die bei den somalischen Kriegsherren kämpften und die schwere Waffen liefern können, und schließlich Leute, die über die Technologie - GPS und Satellitentelefone - für das moderne Kapern verfügen. Die somalischen Piraten sind also keine moderne Version von Robin Hood und seiner Bande, die Gerechtigkeit für die Armen wollen. Diese modernen schwerbewaffneten Kriminellen tun es wegen des Geldes, der Macht und wegen der Frauen, die sich von ihrem Heldenstatus angezogen fühlen." (20.11.2008)
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ABC - Spanien
Die Tageszeitung ABC kommentiert die Entscheidung der EU, eine Kriegsflotte in die somalische Küstenregion zu schicken: "Dies wird vermutlich nicht ausreichen, wenn die Führungen nicht auch bereit sind, mit der entsprechenden Härte vorzugehen, wie sie die indische Marine gezeigt hat, als sie eines der Piratenschiffe versenkte. Außerdem bräuchte man die Unterstützung der Länder der Region, für die es hilfreich wäre, mitzuhelfen und eigene Patrouillen zu organisieren, um sich vor einem Problem zu schützen, von dem auch sie betroffen sind." (20.11.2008)
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Dagens Nyheter - Schweden
Das wachsende Piratenproblem am Horn von Afrika will die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter mit allem Nachdruck bekämpft wissen. Eine zentrale Rolle sollen die Vereinten Nationen spielen: "Die Seerechtskonvention begrenzt sicherlich die Möglichkeiten der Länder gegen mutmaßliche Piraten einzugreifen, aber die Resolution des Sicherheitsrates gibt der internationalen Staatengemeinschaft einen guten Grund zum Handeln. Das Grundproblem ist eigentlich nicht, was auf dem Wasser geschieht, sondern auf dem Land. Somalia ist ein gesetzloses Land. Es gibt keine Regierung, die das Territorium kontrolliert; und in der Provinz, wo die Piraten hausen und von den geraubten Schätzen gut leben, haben die örtlichen Machthaber weder den Willen noch die Möglichkeit einzugreifen. Sie unterstützen vielmehr das Verbrechen." (20.11.2008)
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The Guardian - Großbritannien
Die Tageszeitung The Guardian meint, Reeder müssten aufwachen und dürften sich nicht auf ihre Versicherungen verlassen: "Reeder sind seltsamerweise nicht am Schicksal ihrer Schiffe und deren Besatzungen interessiert, weil sie voll versichert sind, und die Auszahlung beim Tod eines Besatzungsmitglieds 20-mal so hoch sind wie der durchschnittliche Jahresverdienst auf den Philippinen. Lösegeld zu zahlen, ist in den meisten Fällen die einfachere Wahl. Eskalierende Versicherungsprämien, die sicherlich aus der derzeitigen Angriffswelle resultieren werden, könnten sie aus ihrer Gleichgültigkeit herausreißen. Man könnte andere spezifische Maßnahmen treffen. Man könnte eine multinationale Küstenwache für Ost-Afrika und das Horn von Afrika schaffen. Und man könnte Schiffe mit Transpondern versehen und mit bewaffneten Wachen und Radars ausrüsten, die die Flanken abdecken, auf denen sie geentert werden." (20.11.2008)
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Helsingin Sanomat - Finnland
Die Tageszeitung Helsingin Sanomat meint, dass internationale Maßnahmen allein nicht reichen. "Die Sorgen sind verständlich, da am Horn von Afrika mehr als zehn Prozent der weltweiten kommerziellen Schifffahrt vorbeigehen. Wie die Entführung des Öltankers Sirius gezeigt hat, ist die Aufgabe jedoch schwierig, zumal die somalische Küste 3.700 km lang ist und die Piraten zu flexiblen Manövern auf hoher See in der Lage sind. Während alle auf die Schiffe blicken, ist die Situation in Somalia nach wie vor schwierig. Die somalische Regierung verliert den letzten Rest ihrer Macht. ... Es kann auch sein, dass die Islamisten nur Schutzgelder von den Piraten nehmen. Dann würde eine Hungersnot drohen, möglicherweise ein neuer terroristischer Staat - und immer noch die Piraten." (20.11.2008)
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