Top-Thema vom Montag, 1. Dezember 2008
Klima der Zukunft

Vertreter von rund 190 Staaten treffen sich ab dem heutigen Montag zum UN-Klimagipfel im polnischen Poznań, um über ein neues Klimaschutzabkommen zu beraten. Die europäische Presse kommentiert die Erwartungen an das Treffen im Schatten der Finanzkrise.
Les Echos - Frankreich
Die Tageszeitung Les Echos bezweifelt, dass sich die Delegierten überhaupt auf das Klima konzentrieren können: "Nach der offiziellen Version sollen die Delegierten der 190 Staaten die Verhandlungen über den Kampf gegen den Klimawandel voranbringen. Doch werden sie dafür überhaupt den Kopf haben? Die Amerikaner haben mit ihrer Finanzkrise zu tun, die Europäer mit ihren Spaltungen, die Inder mit ihren Toten und die Chinesen mit ihren Arbeitslosen. Doch wenn wir heute nichts unternehmen, wird es morgen zu spät sein. ... In diesem finsteren Herbst 2008 ist die Welt von drei furchtbaren Dämonen bedroht. Da ist zunächst das wirtschaftliche Risiko mit seinen schlimmen sozialen Folgen. Dann das politische Risiko mit dem Aufstieg von Extremisten jeglicher Couleur, das eine Konsequenz des ersten und der wachsenden Ungleichheiten ist. Dann gibt es noch das Umweltrisiko, das weniger fassbar ist und etwas weiter entfernt scheint. ... Die richtige Lösung wird darin bestehen, die wirtschaftliche Wiederbelebung auf saubere Energie und auf die Reduzierung der sozialen Ungleichheiten hin abzustimmen." (01.12.2008)
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Gazeta Wyborcza - Polen
Der polnische Umweltminister Maciej Nowicki schreibt in der Tageszeitung Gazeta Wyborcza: "Die Wirkungen der Klimaveränderungen kann man täglich spüren - Überschwemmungen, Trockenheit, Hurrikane erreichen sogar in Polen das Ausmaß von Naturkatastrophen. Und deshalb ist der Erfolg der Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Poznan so wichtig für alle. ... Dem Erfolg dieser Verhandlungen kommt eine Schlüsselbedeutung zu - für uns und für die ganze Welt. ... Ich beobachte mit Sorge, dass es auch Skeptiker gibt, die meinen, der Klimawandel sei eine Fiktion und das Resultat irgendeiner Lobbyarbeit, die sie nicht genauer definieren. Ich glaube dagegen den Ergebnissen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC [Weltklimarat]), die von einigen tausend Wissenschaftlern aus der ganzen Welt zusammengestellt worden sind. Sie weisen darauf hin, dass die Klimaerwärmung ein Fakt ist und dass 'mit großer Wahrscheinlichkeit der Mensch dafür verantwortlich sei'." (01.12.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Maciej Nowicki
Dagens Nyheter - Schweden
Die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter mahnt an, den Druck zur Veränderung aufrecht zu erhalten: "Eine der schwierigen Fragen ist die Balance zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern. Während der ersten Periode des Kyoto-Abkommens von 2008 - 2012 haben sich nur die Industrieländer dazu verpflichtet, die Emissionen zu reduzieren. Diese Gruppe steht lediglich für 30 Prozent der Emissionen. Die gleichen Anforderungen können nicht an die Entwicklungs- und Schwellenländer gestellt werden. Die reichen Länder haben historisch gesehen viel mehr in die Luft ausgestoßen. Sie haben auch mehr Mittel, um den Problemen zu begegnen. In den Verhandlungen ist deshalb vorgesehen, die Technologie und deren Finanzierung in den Entwicklungsländern zu unterstützen. … Die Industrieländer können finanziell zur Klima-Anpassung in armen Ländern beitragen. Der Beschluss zu einem entsprechenden Anpassungsfonds wurde im letzten Jahr auf Bali gefasst, aber seither ist nicht viel geschehen. Hoffentlich kann das Treffen in Posen mehr konkrete Ergebnisse liefern." (01.12.2008)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
Auch in finanziellen und wirtschaftlichen Krisen dürfe Klimaschutz nicht zweitrangig werden, schreibt die konservative Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung. "Die Krise ist das Ergebnis eines allzu kurzfristigen Kalküls mit Finanzkapital. Es wäre falsch, mit Naturkapital ähnlich zu verfahren. Gerade da gilt es, nachhaltig vorzugehen, über Konjunkturzyklen hinauszublicken und nicht in jeder Krise einzuknicken. Überdies geht es jetzt nicht um die Klimakosten des Rezessionsjahres 2009, sondern um die der Jahre nach 2013. ... Die Atmosphäre ist ein Gemeinschaftsgut, eine Art globaler Allmende. Nötig ist die Kooperation aller Staaten. Sie gelingt aber nur, wenn die Reichen den Anfang machen und ihre Bereitschaft signalisieren, Abfallgebühren für CO2 zu entrichten. Europa und Amerika können jetzt zeigen, dass sich Ökonomie und Ökologie auch in Krisen vereinbaren lassen." (01.12.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Konrad Mrusek
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