Der Chefredakteur der ungarischen Ausgabe von Le Monde diplomatique, Gábor Papp, beklagt in der deutschen Edition des Monatsmagazins die vergangenheitsbezogene mitteleuropäische Identität. "Gerade zu einer Zeit, in der im westlichen Teil Europas die Bedeutung von Abstammung und Nationalität geringer ist als je zuvor, hat sich die diesbezügliche Empfindlichkeit des Mitteleuropäers nur noch weiter gesteigert, entweder weil sein Land verstümmelt wurde oder weil er es endlich, endlich zu einem eigenen Staat gebracht hat. ... Aus alldem folgt, dass die Mythen des Ethnozentrismus in der Zeit der Rede- und Gedankenfreiheit, die sich in Mitteleuropa zu guter Letzt eingestellt hat, unantastbarer sind, als sie es jemals waren. Was die erlittene Ungemach der Nation und die Eckpfeiler des Ethnozentrismus betrifft, ist es für sämtliche politische Akteure der Region Pflicht, mit einer Stimme zu sprechen. ... [Deshalb hat] die von dem genialen Schriftsteller des amerikanischen Südens, William Faulkner, in ganz anderer Umgebung niedergeschriebene Feststellung ... universellen Charakter: 'Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen.'" (22.07.2008)
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