Europas soziales Modell sei nur möglich gewesen, weil die USA bislang die Rolle einer Weltpolizei übernommen haben, so Domingos Amaral in der Wirtschaftstageszeitung Diário Económico. Mit der Wahl Barack Obamas zum neuen US-Präsidenten sei nun eine Änderung in den USA in Sicht. "Amerikas Linke hat Europas 'soziales Modell' immer bewundert und wollte es schon immer importieren. Europas Rechte hingegen wollte schon immer das amerikanische Wirtschaftsmodell einführen. ... Europas 'soziales Modell' war nur möglich, weil Europa nach dem zweiten Weltkrieg sich nicht weiter um militärische Ausgaben gekümmert hat. ... Dies war allerdings nur durch den Schutz Amerikas möglich. Amerikas militärische Pflichten führten hingegen dazu, dass dem Staat nicht viel Geld übrig blieb, um in ein soziales Modell zu investieren. Entweder Kanonen oder Krankenhäuser. Die Amerikaner wählten die Kanonen und ermöglichten Europa somit die Krankenhäuser. Was Obama nun verspricht, ist die Änderung dieses Modells. Amerika will nun mehr in Schulen, Krankenhäuser und erneuerbare Energien investieren. Doch die USA sind verschuldet und können sich nicht gleichzeitig einen sozialen Staat, wie Obama ihn sich wünscht, leisten und weiterhin die Weltpolizei geben. Sie werden sich entscheiden müssen. In den nächsten Jahren werden die USA sich an erster Stelle um sich selbst kümmern und erst dann um den Rest der Welt. Dies ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht, doch sie zwingt die Welt dazu die Machtverhältnisse zu revidieren. Weniger USA bedeutet mehr China, mehr Russland, mehr Iran und auch ein bisschen mehr Europa. Ob dieses multipolare System funktionieren wird, kann nur die Zukunft sagen." (12.11.2008)
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